Steinblumenmädchen (auszug)

Unter seiner Haut wachsen Blumen aus dem Nichts, fasrig in die Höhe, ziehen sich auseinander, entfalten sich, behutsam, zu Blüten aus Federn, die in allen Tönen leuchten. Sie sind so verletzlich, dass Blicke reichen, um ihnen weh zu tun. Unter seiner Haut ist ein Gebirge, von dem Steinschlag droht. Es kann nie sagen, wann sich Brocken lösen. Es kann nicht verhindern, dass die Steine die Blumen treffen und Krater in ihm entstehen. Es schwindelt ihm, wenn sich eine neue Welle löst. Unter seiner Haut ist das Mädchen in sich selbst gefangen.

An seinen ersten Steinschlag kann sich das Mädchen, wir wollen es Lisa nennen, noch gut erinnern. Es war spät am Abend, sie hätte eigentlich schon schlafen sollen, aber es waren Gäste zu Besuch. Es war laut im Wohnzimmer, durch einen Spalt fiel Licht in das Schlafzimmer der Eltern, in deren Bett sie lag, sie konnte die Stimmen gedämpft hören. Ihre Mutter hatte ihr zwar vorgelesen, aber Lisa war nicht eingeschlafen. Sie hatte ein Gefühl entdeckt, das sie noch nicht kannte. Es breitete sich über sie aus und machte ihren Körper innen taub und ihre Haut außen schmerzend. In ihrem Kopf blühte und verrottete ein einziger Satz. Ich werde sterben. Ihr Atmen wurde ein Ersticken, sie spürte sich im Bett einsinken unter ihre Haut, wo Steine Blumen zerstörten. Das Aufeinanderprallen von weich / HART / leise / LAUT / langsam / SCHNELL / sanft / BRUTAL in ihr zerriss sie.

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