Nachbild

NACHBILD ist ein Gespräch zwischen den Autorinnen Jess Tartas, Sonja Seidl & Julia Knaß. Seit Februar 2020 schreiben sie sich Briefe, in denen sie ihre Freundschaft, ihre Lieben und Phantome kommentieren.

Ein erster Einblick in das Schreibprojekt erschien auf dem Blog der Literaturzeitschrift ARCHIPEL im Mai 2020. Abrufbar hier.

Ein zweiter Einblick wurde in der Printausgabe (Dezember 2020) von ARCHIPEL gedruckt:

Nachbild: Semionautinnen. In: Archipel #2 – zeitschrift für kunst, theorie & literatur (dezember 2020), S. 20-21.
Links: Print; digital

Textauszug

K: „Ununterbrochen gehen die Unterbrechungen weiter“ habe ich in einem Text von Cixous gelesen und so fühlt sich Leben momentan an, oder auch nach einem in der Warteschleife hängen, zb.

T: Manchmal glaub ich, vermischen wir uns, es kommt mir immer alles so bekannt vor.

S: Wie können wir gegen das Alleinsein anschreiben?

K: Dass ich mich willkommen – das bedeutet ‚angenommen‘ vielleicht – fühle, nicht allein, hängt eher an Tieren oder Menschen als an einem Ort, einem Land. Zum Beispiel in der Nähe von B., der mich immer „meine Liebe“ nannte: „Meine Liebe, wann kommst du wieder in meine Stadt?“ Aber ich blieb doch immer eine Besucherin aus der Ferne, gefühlt alienated.

S: Die Entfremdung, von der du sprichst–, die spür ich noch, jede Nacht steht sie im Raum, ein Monolith, Monolithenportal, Möglichkeit der Ferne. Beim Lesen von Hannah Arendt dachte ich erst, ich wäre dieses Isolierte/Atomisierte, Begriffe, mit denen sie die Masse beschreibt, aber wieder hab ich nur alles aus seinem Kontext gerissen, um mich darin wiederzufinden. Verzeiht. Man sagte mir früher gelegentlich, ich wäre immerzu schlecht drauf.

T: Immerzu schlecht drauf. Was soll man sonst sein? Mittelmäßig? Kein Mensch kann ständig fröhlich sein und es so meinen.