museum of broken beginnings

In allen Stunden ohne uns sind wir 
gefangen schickst du mir Bilder
als Symbole des Verfehlens
verlaufen unsere Tage

Ich kann den Sand auf meiner Zunge
fühlen schreibe ich niemals auf
die Kalender verstrichene Tage
in denen wir eine Zeit hätten

Suchen wir uns einen Anfang
über uns und enden im Text
kann ich nur müde lächeln
wenn du mich wieder schreibst

kursive tage

ich verstecke deine nachrichten vor mir
und zähle bis 100, bevor ich die augen öffne

du hast mich

ich verstecke das handy zwischen den seiten
ich decke mit wörtern alles zu
du schreibst, julia, und, wir könnten nie
ich antworte, nur symbolisch

ich verstecke mich unter dem tisch
und halte meine geständnisse zu
sie entkommen mir und malen dir alles farbig aus
als rechtfertigung bestehe ich auf schwarz-weiß

du lachst

später googlen wir alles, auch die farben
und schicken uns links, gegen das reden

du willst mich

aus meinem versteck locken, aber
ich bin einen flugmodus entfernt
nicht erreichbar

auf einer postkarte schicke ich dir grüße,
ich bin jetzt 1 gespenst

du erfindest mich
trotzdem

rote linie körper

Lisa will nach Hause, aber sie kann nicht. Die Männer neben ihr trinken. Ihr Sitznachbar streift sie immer mal wieder, sie kann nicht ausweichen, da ist kein Raum für sie, alles in ihr ist hart. Lisas Körper ist ein Stein. Sie muss bleiben, bis die Männer gehen wollen, sie muss nüchtern sein, sie muss acht geben, dass die Rechnung stimmt. Lisa trägt die Verantwortung genauso wie sie ihre roten Linien trägt – für andere nicht sichtbar. Lisa bezahlt und lehnt dankend eine Einaldung auf ein weiteres Getränk ab. Sie muss morgen wieder im Büro sein, sie muss den letzten Bus erwischen.

Lisa kommt nach Hause, sie öffnet eine Mail, sie hat einen Text bekommen. Im Text trinken die Männer, die männlichen Figuren, sie streifen Frauenkörper ab und an, beliebige Ejakulation. Sie greifen in die weiblichen Figuren hinein und ein und alles, was bleibt, von ihnen, sind leere Metaphern. Lisas Kopf ist ein Steinbruch. Lisas Meinung ist gefragt, steht im Mail. Aber ihre Gedanken zählen nicht viel, dürfen nicht mehr sein als ein leiser Einwand, kein offener Widerspruch. Lisa knirscht so mit ihren Zähnen in der Nacht, dass sie am nächsten Tag einen Termin beim Zahnarzt ausmachen muss.

Lisa denkt daran, ihren Vater anzurufen, um ihm zu erzählen, von der Welt, in der sie lebt. Aber er könnte nur fragen, was los wäre und Lisa könnte nur erzählen, dass eigentlich eh nichts passiert ist. Aber dass da diese Männer sind, vor denen sie Angst hat. Diese Männer, die ihre Freunde, die ihre Kollegen sind, die aber immer ein bisschen zu weit für sie gehen. Lisa kann nichts sagen, denkt sie. Solange es nur Nachrichten, Bilder sind. Solange es nur Berührungen sind, eine Unachtsamkeit, wie er sie gestrichen hat. Es war ja nie seine Absicht, ihr Unwohlsein. Aber was könnte Lisas Vater ihr antworten, er lebt nicht in dieser Welt.

Lisa legt sich neben ihren Partner, der sie will und ihren Körper. Aber sie kann das kaum noch, etwas wollen. Sie hat zu viele Flecken, zu viele Schnitte, von all den Männern, die dachten ihre Träume passen in Lisas Körper. Ihr Partner will zb, dass Lisa in der Früh aufsteht, auch wenn sie keine Termine hat. Und dass sie, ohne zu lügen, sagen kann, dass sie etwas anderes will, als schlafen.

Aber Lisa kann das nicht mehr. Lisa malt sich alle Stellen ihres Körpers, an denen in sie eingegriffen wurde, rot aus. Lisa schließt sich ab.