(schreiben)

“Ich will doch wieder in die Stadt”, schreibe ich. “Ich will doch wieder in diese Stadt und dieses Mal will ich versuchen, nicht das Ende zuerst zu schreiben.”

UNSERE TAGE : VERMESSEN (wir, 1 Aerograph:in)

Text von Michelle-Francine Ulz & Julia Knaß

Unsere Tage werden zu Unterschieden zwischen: 
was wir spüren möchten, was nicht, 
was wir spüren können, was nicht,
uns als EBENE und dreidimensional,
uns als Gleichung: sich aufhebend.
Unsere Hüftknochen, die sich in den BODEN fressen,
uns fragen: sind wir jetzt unter uns, sind wir hart? 
Was wir ALLES auflösen werden, was wir ALLES werden können: XYZ. 
Wir sind Wunsch und Wunschprojektion: SUBJEKTE, QUEER.

(1) Unsere Mittteilungsabsicht: Was sich unter euren HOSEN wölbt, was unter unserer langsam verschwinden wird

Unsere Tage werden Listen schreiben, was in unsere Münder darf, was nicht. Was sich gegenüberstehen wird: MÄNNERNAMEN und NAHRUNGSMITTEL. Sich überschneidende Parallelitäten und ihr werdet für uns sein: Weißbrot und Kuhmilch. Und es wird einfach werden: euch zu vermeidenh in vollen Supermarktregalen, unser KÖRPER kann sich an ALLES gewöhnen. 

Unsere Tage werden wieder, wir in anderen Vermessungen als SPITZWINKEL, von allen Seiten. Und wir werden den Zirkel ansetzen, um ganz sicher zu sein, dass wir UMRUNDET werden, in 360 GRAD, und wie wir aufgehen werden: in KREISRUNDE FORMEN. Wir haben das immer gut gekonnt, uns als Medium inszenieren und was ihr schon noch begreifen werdet: unsere Mitteilungsabsichten. 

(2) Intentio Auctoris und die Begegnung zwischen unseren Beinen: WERK.

Unsere Tage werden nicht gelistet sein, in eurem Werk, in eurem Mund, und in unseren kommt nur, was wir nicht spüren müssen. Abends wollen wir eine Aerograph:in sein, die ihre STOFFE selbst vermisst, bis wir uns verdichtend in ZAHLEN auflösen: den KILOMETERN, die wir zwischen eure Körper und uns gelaufen haben (heute: 10), der Einkaufsliste und wie viele Abweichungen von ihr es gibt (heute: 3), wie oft wir daran gedacht haben, doch zu SCHLUCKEN und wie oft wir daran gedacht haben, euch doch zu schreiben (was wir gegeneinander austauschen können, heute: 2:1).

Unsere Tage werden wiederholend, in ZUFÄLLIGEN Begegnungen, in anderen Blicken, aus denen wir uns lieber betrachten als aus euren. Wir sind immer auf der Suche nach einem neuen Gegenüber, einem, das uns schreibt: WIR NEHMEN ALLES VON EUCH, WAS WIR BEKOMMEN DÜRFEN. Wir sind auf der Suche nach etwas anderem, das uns AUSWEIDET und uns dann ein GEWICHT verleiht in einer anderen Welt, so, dass wir keines haben müssen, in der euren.

Unsere Tage werden zu abnehmenden und zunehmenden KÖRPERN, nicht alle davon sind wir, aber jeder fühlt sich nach uns an, was unser KÖRPER sein kann, sehe ich in Gesichtern, die sich über uns beugen, um uns zu lieben oder uns zu vermessen oder um sich selbst zu lieben oder sich selbst zu vermessen, nichts davon ist geschehen, alles davon ist WAHR.

Unsere Tage werden zu FALLENDEN Ringen und was ihr nie aufheben werdet: unser GEWICHT. Aufgelöst nur an den Stellen, an denen wir etwas hätten zulassen können. Und was ihr nie über uns wissen werdet: ihr und Karotten erzeugen GERÄUSCHE im Hals und die Knöcheln an den FINGERN, die haben wir uns nie beim Sport verletzt. Ihr seid auch nie in unsere Leben, sondern immer nur in unsere Körper getreten und nach euch: haben wir uns das beigebracht, Sicherheitsabstände ganz ohne ZAHLEN.

(3) Ein Sicher SEIN in Schätzwerten

Unsere Tage werden zu VERSPRECHEN und wir werden das für immer so können. Schaut uns nicht in die Augen, sondern in den MAGEN. Was ihr dort sehen werdet: euch selbst, schon leicht verdaut und was wir geschluckt haben an Worten und was in uns hängen bleibt: GESCHICHTEN, die wir uns einflößen, um SATT zu sein. Wir sind nie VOLL genug.

Unsere Tage werden zu Aufstehwunschlisten (für jedes Mal aufstehen, erfüllen wir uns einen WUNSCH!), alles, was wir schreiben, können wir zusammenfassen mit: unsere Finger sind nie so KLEBRIG wie unsere Gedanken, obwohl wir uns Mühe geben, uns aneinander fest zu machen, aber nichts bleibt EWIG im Mund, irgendwann müssen wir ALLES schlucken, selbst die schädlichsten Wörter, irgendwann kommt ALLES wieder raus.

Unsere Tage werden zu: uns selbst fühlen, dicht gedrängt, am HEIZKÖRPER, die ROTEN STELLEN, wenn wir nackt sind, zählen (unsere Schenkel sind LAVA und: rette sich, wer kann!). Wie wir die Finger ineinander verketten, weil wir noch da sind. Was sich wird decken müssen: die ZAHL auf der WAAGE, die ZAHL der KÖRPER.

Unsere Tage werden KONTROLLVERLUSTE. Wir haben die Welt bis zum Anschlag in uns gelassen, unseren Mund weit aufgerissen. Wir haben die Welt, versucht, mit unseren BEINEN zu tragen und Kilometer zu laufen. Wir haben die WELT früher auch nur in KATEGORIEN getragen, die wir jetzt im MUND wie ZUCKER auflösen. 

(4) einen RAUM schaffen

Unsere Tage werden zu Körpercollagen und was sich damit abbilden lässt. Wir zerschneiden die Bilder der anderen (die von uns) und verkleben sie in unstimmigen Erinnerungen neu zusammen. Mit unserem Körper illustrieren wir ein ABSCHIED NEHMEN und eure UNSICHERHEIT. 

Unsere Tage werden zu gelesenen Texten, in Fineliner notieren wir auf unserer linken Hand TAKING REVENGE IN ART, in unseren Kalender markieren wir die Tage, in denen wir noch an euch gedacht haben, die Tage mit und ohne Alkohol, die Tage, in denen wir doch lieber euch in den Mund genommen hätten als uns anzunehmen. Diese Tage nehmen ab, wir nehmen zu.

Unsere Tage, die vor uns liegen: Wir erdenken sie als Haus, als einstürzende Neubauten. Treten Sie ein. Willkommen. Wir haben einen RAUM geschaffen. Die Tür sperrangelweit offen gelassen. Gehofft, genug kommen, um zu sehen und bei uns zu bleiben.

1 Schattenspiel

(1)

Du könntest 1 Roman schreiben, über all deine Beziehungen zb.
Arbeitstitel: Flaschendrehen.

Als sich ihre Hand auf seine legt, wird sie kalt.
Er bemerkt nur ihre Kälte, nicht den Zusammenhang. 

Als sie noch 1 Mensch war, schrieb sie in ihr Notizheft:
“Ich weiß manchmal nicht, ob sie mich lieben oder
sie nur die potentielle Mutter ihrer Kinder in mir sehen 
(oder ob es dasselbe ist?)”

(2)

Du könntest darüber schreiben, wie schnell ich mich gedreht habe.
Arbeitstitel: Kettenkarussellgedanken.

Als er sich auf sie legt, berührt sie mit der linken Hand leicht die Wand,
die sie selbst ist. 

Als sie noch 1 Mensch sein wollte, schrieb sie in ihr Notizheft:
“Ich bin 1 Betrügerin: Jedes zweite Mal habe ich Sex,
weil Sex für mich einfacher ist, als nein zu sagen”

(3)

Du könntest schreiben, dass die Zukunft den Quallen (Gespenstern) gehört.
Arbeitstitel: Alles, schweben

Als er ihr versichert, dass sie sich nicht verändern muss für ihn,
schafft sie es trotzdem nicht, sie selbst zu bleiben.

Als sie 1 Puppe geworden war, schrieb sie nicht mehr in ihr Notizheft.
Sie war seines, seines, seines.

(4)

Sie ist auf einem verstaubten Fauteuil abgelegt worden, das mit 100 Euro bepreist ist. Ihren eigenen Preis kann sie nicht lesen, weil er auf ihrer linken Hand aufgeklebt ist und sie den Kopf nicht mehr drehen kann, ohne ihn zu verlieren (1 Schraube fehlt). 

Was sie sehen kann, solange sie geradeaus blickt: 1 altes Geschirrset, 1 Lampe, Brettspiele, Abendkleider etc. (Die Szenerie ändert sich regelmäßig vor ihr, sie bleibt).

Aus den Augenwinkeln erkennt sie das Fenster, auf dem sie lesen kann:
O R T E R / K I T N A 

Sie weiß noch, so ist es verkehrt, aber sie kann die Buchstaben nicht mehr selbst umdrehen.

An welche Farbe denkst du

Ich warte darauf, dass etwas kippt, dass sich etwas verändert.

In mein Notizbuch schreibe ich: Welche Farben haben deine Gespenster?
Ich stelle mir vor, du antwortest:

Du: Sie regnen, meine Gespenster.
Ich: Das ist schön, aber das ist keine Farbe.
Du: An welche Farbe denkst du bei Regen?
Ich: An das Gegenteil von Farbe.
Du: Wie meinst du das, Lisa?

Aber du kannst mir in meinem Notizbuch nicht antworten. Keine Fragen stellen.
Also bleibe ich dir Antworten schuldig.

Später schreibe ich in ein Dokument in meiner Cloud, Titel: draußen 1 Gespenst:
“Als Lisa versuchte nach draußen zu sehen, um den Spukgeräuschen eine Ursache zuordnen zu können, sah sie nicht, weil der Regen gegen die Fenster stürzte.”

In meinem Notizbuch vermerke ich, angefangen “Die Welt der Farben” zu lesen, daran gedacht, dir zu schreiben, Stichwort Chromophobie.

Ich: “Viele Schriftsteller der Klassik hielten nichts von Farbe, sie lenke nur von den wahren Werten der Kunst ab: Linie und Form. Farbe wurde als Ausschweifung und später als Sünde betrachtet: ein Zeichen von Verstellung und Unaufrichtigkeit” (Kassia St. Clair, Die Welt der Farben, S. 36)
Du: Das fügt sich perfekt, Lisa. Aber so hatte ich das gar nicht gemeint.
Ich: Ja, ich weiß. (& entschuldige meine verspätete Antwort!)
Du: Kein Problem.
Ich: draußen ist 1 Gespenst, aber es muss eine Farbe haben. Ich scheitere daran, ihm eine richtige Farbe zu geben.
Du: Ist es nur 1 Gespenst?

Du fehlst in meinen Notizen. Deswegen weiß ich nicht, wie du das mit dem “nur” gemeint hast.

Später schreibe ich in die Cloud:
“Lisa wandte sich dem Bildschirm zu und öffnete Twitter, um die aktuelle Farbe zu erfahren: @everycolorbot. 0x7e4159. Sie öffnete einen weiteren Tab und gab “Wetter, Graz” ein. Stark bewölkt. Niederschlag 3 %. Luftfeuchtigkeit 81 %.”

In meinem Notizbuch: “Der Regen, der gegen die Fenster stürzt” (Ilse Aichinger, Die schlechten Wörter, S. 14)

Ich: Vielleicht ist draußen mehr als 1 Gespenst.
Du: nur 1 Gespenst.

wie ich über dich liebe usw.

(1)

wie ich dich in meiner stimme, zerfließend / zerfleischend, du fragst mich nach dem unterschied, ich will aber nicht

(2)

in wien brauch ich weniger schlaf, hab aber intensive träume, in denen ich in meiner alten schule bin, 1 roadtrip nach slowenien mache, sachen sage, wie, schreib mal so einen text, damit ich dich ernst nehmen kann, und dann wache ich auf, ohne einen übergang

(3)

(schwärzen)

(4)

gedanken an dich in harten farben versenken. nur mehr jeden 16. tag in träumen aufwachen, in denen du hinter mir stehst,

oder ich träume, ich hab deinen namen vergessen und nach dem aufwachen denke ich 30 minuten darüber nach, wie du heißt, aber da ist nichts. du hast deinen arm um mich gelegt, ohne namen und in meinem kopf war das foto von uns vom vorjahr, da hättest du noch jemand sein können, den ich erfunden habe, ich weiß schon, worin ich dich erinnere

(5)

die gedanken sind ja längst nicht mehr sicher, vor uns, sie sind vielleicht aus lavendel, ja, und schmecken nach gefrorenen himbeeren, aber sie sind nicht mehr sicher vor uns. oder wenn sie hinter uns liegen werden, wirst du dich dann dafür entscheiden, dich umzudrehen, weil ich denke ich werde mit kreide deinen blick aufmalen auf mich, wenn (& es wird in violett untergetaucht sein, was in unserem kopf nicht sein kann)

(6)

was bleibt [“ich weiß ja nicht einmal, wie du deinen Kaffee trinkst, vertrau mir doch nicht”]

(7)

mir war so nach deiner abwesenheit, fast hätte ich dich gebeten, zu mir zu kommen

 (8)

meine erinnerungen an dich in anderen menschen suchen usw., immer wenn ich vergessen habe, wie deine stimme klingt, treffe ich dich zufällig in der stadt

aber heute bin nur ich wach

(1)

du schreibst, du kannst in den nächten nicht schlafen, du schreibst, in allen!, aber heute bin nur ich wach zwischen atmen und dem mondlicht, graublauer himmel, deine stimme im ohr, sachen die weh tun könnten weil.

(2)

ich träume zb dass du mich umarmst (oder ich dich?), dann wache ich auf und denke, viel zu intensiv. das war jetzt zu viel. dann heute. (auch kann ich nicht vergessen, wie du dich in die sonne gestellt hast, das nicht)

(3)

(welche farben schreiben für mich hat)

(4)

bitte sag mir, wenn du wirklich wirklich gehst, damit ich die luft anhalten und untertauchen kann zwischen anderen seiten, solange bis ich vergessen habe, dass du das wirklich genau so wolltest

(5)

chlor gegen das fehlen;

(6)

in mir ist alles so weich wie schaumgummi und mein körper ist so weich und alles ist verbogen und ich hab keine kraft, weil alles so weich und leicht ist, ich glaub, ich bin aus stoff, ich bin 1 puppe

(7)

(ghosting)

(8)

dieses durch mich schauen, so als wäre ich ein glas ohne fenster, als wäre ich eben nicht, kein rahmen, nur splitter, unsichtbar und wenn du über mich drüber gehst und es knirscht, denkst du, da war doch irgendwas, aber ich soll mir keinen kopf machen, wegen dem gegenteil von sein, aufhören, zu fühlen, vor jahren, da war ich, möchte ich sagen, da wusste ich nicht, was es wirklich bedeutet, ein geist zu werden, jetzt habe ich zeitstempel als beweise, wann ich aufgehört habe, zu existieren

die müdigkeit war sehr verführerisch

(1)

die splitter unter deiner haut, meine ausgestreckte hand und die fehlenden schuhbänder, und jetzt sagst du, ich will, dass es reicht (du hast noch immer alles ohne betäubungsmittel geschafft, auch mich, dann die brücke, aber wie schrei ich um hilfe unter wasser)

(2)

liste der dinge, die mich beruhigen:
nr 106 fotos von fenstern, die zugemauert und kaputt sind

(3)

wir gehen kaputt durch die welt, wenn wir schatten finden, bleiben wir stehen, wenn sich unsere blicke treffen, geht die welt kaputt

(4)

manchmal ist es mehr und dann ist es nichts

(5)

ich will alles aufheben, es soll nichts bleiben, oder mich in einer träne einsperren wie in so 1 schneekugel

(6)

das gesicht verlieren

(7)

ich werde sagen können, damals. also damals in ÖSTERREICH. da hab ich grad ganz viele selfies von meinem gesicht gemacht (weil ich mir so FREMD war). das hab ich getan, als das damals gekommen ist, werde ich sagen. und, ich war so müde ständig. man muss das auch verstehen, dass. werde ich sagen.

die müdigkeit war sehr verführerisch, man fängt an zu glauben, man könnte sich vielleicht kurz hinlegen, nur ein bisschen rasten. nur kurz mal die augen vor allem schließen, weil das hinschauen so anstrengend ist. aber dann wacht man nicht mehr.

aber man hatte das ja nicht gewollt, man war nicht einverstanden gewesen. es war zuviel und es war einfacher mit geschlossenen augen. es war soviel einfacher, nicht zu sehen

Papierboote falten

(1)

manchmal erschrecke ich, dann sage ich mir, es ist alles gut, Menschen sind nur Gespenster, sie tauchen auf und verschwinden wieder, einfach so, weil du ihnen nichts bedeutet, sie erschüttern dich und verschwinden, ich verblasse

(2)

Ist das 1 Literatur oder 1 Sonnenlicht?

(3)

Ich mag zb Gefühle für dich, weil wir uns so nah sind, näher als möglich, ich habe noch viele schöne Wörter, ich schütte sie in eine Badewanne, ich bastle Boote aus Papier und lasse sie schwimmen, du zeichnest eine Sonne für mich

(4)

Ich bin in 1 rosa Flauschwolle gewickelt, die Füße in Eiscreme getaucht (Vanilla), ich niese und denke an Porzellanblumen und an Skorpione und daran, wie deine Hand (ich weine nicht, ich stimme nur)

(5)

In Lichtern Falltüren erkennen usw.

(6)

Du zeichnest mir ein Herz und sagst, schlage, ich schreibe dir, den Takt, ich schreibe dir Symbolbilder, ich schreibe über Mangos, du zeichnest mir einen Obstkorb, ich will, dass es aufhört zu regnen, ich lasse die Wörter aus, sie verstopfen den Abfluss, ich weine, wir gehen aus

1 memory spiel oder 1 blume, keine gegenwart zb

(I)

wenn, sehe ich uns in weiß getaucht, 1 angabe oder 1 schuld zb was wir unseren lieben servieren, essen oder absichten zb pragmatische Entscheidungen haben wir in der schule gelernt, 1 ausgang oder 1 bilanz zb ich kann sagen, es ist gut so, 1 sprachnachricht, 1 ablenkung, 1 lüge zb

dass es in meinen ohren surrt, ein ungleichgewicht zb dass es in dich kippt, eine müllhalde oder ein vulkan zb dass wir uns gegenüber stehen und nur ein sieb oder eine farbe erkennen zb

(II)

was mir fehlt zb 1 anfang und 2 socken, die sich mögen

(III)

etwas gegen dich lehnen, 1 regal oder mich selbst zb ob du umfällst oder mich umfängst, 1 rahmen oder 1 sturz zb weil es schüttet, 1 tatsache oder 1 ausruf zb wenn wir nass werden, will ich, dass wir aus sand sind, oder zucker zb

dass mir der linke fuß eingeschlafen ist, ein symptom zb dass du mich verschlungen hast als krokodil oder als wal zb dass am morgen etwas meine augen verklebt, fruchtfleisch oder speiseeis zb

(IV)

wenn ich uns denke, dann ohne unsere leben, zuckerwatte, die sich im wasser auflöst zb

(V)

dass du von salzwasser erzählst, kristalle oder 1 zug nehmen zb dass du bedingungslos bist, für meine fehler oder fotos zb dass sich unsere gedanken nicht mehr unterscheiden, 1 memory spiel oder 1 blume, keine gegenwart zb

an dich denken zb dass es mir lieb wäre, du legst mich offen, als karte oder als gedanke, 1 abheben, zwei, drei, vier, x male wunden usw.

(VI)

wir befinden uns an 1 neuen ORT, 1 warnung oder 1 warmer kakao zb du schreibst, du kannst dich nicht erinnern, dass du geschrieben hast, liebe oder entscheidungen zb wir befinden uns an 1 alten ort, 1 wiederholung oder 1 klischee zb ich will dich wieder (holen und wiederholen)

ich will das auflösen, 1 katze oder 1 faden zb die definition davon, was 1 hügel ist, 1 illusion oder 1 abschied zb etwas verschiebt sich immer, 1 hand oder 1 vorhang zb ich will mir dich vorstellen oder vor stellen, vor 1 glas oder 1 schuhregal zb

(VII)

der ekel vor mir selbst trägt heute grün zb

dich anrufen, damit mich deine stimme beruhigt; was ich dir zumute zb

(VIII)

die abstände zb sich dreimal hinlegen, weiter, alles ausweißeln, ausweißeln, weiter, die roten stellen weiter, sich fünfmal drehen zb die wörter heizen nicht mehr

wir können immer so weiter gehen machen schreiben zb liebe klein, damit sie nicht weh tut, 1 welle, die uns nie trifft, trocken über die tastatur schweben

(IX)

was es bedeutet zb die stillen träume oder getränke, 1 warnung, ein aufeinander zu gehen, wir 2 türen ohne raum

die ungelesenen texte, du schreibst 27 zb

(X)

alles was ich schreibe ist schaumstoff und saugt flüssigkeiten auf zb

Gespenster:bezüge

Aus jedem Textbezug kann ich ein Gespenst basteln, wenn ich das wirklich, wirklich will. Abhängig davon, wie mein Blick fällt, spukt es oder nicht. Das ist vielleicht, diese Entscheidung, was als Spielraum möglich scheint, aber es ändert nichts, an dem was ist, nichts, an dem, was darin stehen könnte. Was bleibt, ist ein Unbehagen.

Das Unbehagen richtet sich an das Unheimliche der Bezüge, deren Entstehung im Dunkeln liegen. Es ist kein Geheimnis zwischen uns, sondern eines der Texte. Eine Qualle am Strand verliert ihre Form, die Texte haben sie schon verloren, auch wenn sie in die Produktion getaucht, nach außen, noch als Romane oÄ erscheinen (worüber wir lachen).

Das Unbehagen richtet sich an die Gewalt der Bezüge, welche die Texte übersteigen, sich in meinen Körper einschreiben wollen. Ich will nichts vom SCHICKSAL hören, dass durch sie duchzurauschen scheint. Ich will mich dem nicht ausliefern müssen, sondern verstehen, darauf antworten vielleicht: mit meiner eigenen Abwesenheit.

[Jedes Beispiel für ein Gespenst kann nur ein Fehlen sein – wie soll ich Gespenster konkret benennen, ich habe ja keine Beweise für sie; es würde nur dazu führen, dass meine Vorstellungskraft belächelt würde: Du bildest dir das nur ein, da ist ja nichts, das ist nur dein Gefühl. Mein Gefühl ist ein Gespenst, es trügt.]

Aus jedem Gespenst kann ich einen Textbezug basteln, wenn ich das wirklich, wirklich will. Abhängig davon, wie dein Blick fällt, wird es dich verfolgen oder nicht. Das ist vielleicht, diese Entscheidung, was als Spielraum möglich scheint, aber es ändert nichts, an dem was ist, nichts, an dem, was darin stehen könnte. Was bleibt, ist nicht.